Dry Gin
Die Sorte Dry Gin stellt zusammen mit dem London bzw. London Dry Gin die wohl bekannteste Form der beliebten Spirituose dar. Bestellt man in einer Bar einen Gin, ist die Wahrscheinlichkeit einen Dry oder London Dry Gin eingeschenkt zu bekommen, sehr hoch. Manchmal wird diese Gin Variante auch als Distilled oder Destillierter Gin bezeichnet. Genau genommen sind jedoch alle Gins destilliert, denn so wird aus landwirtschaftlichen Produkten wie Weizen oder Kartoffeln der Basisalkohol gewonnen. Durch erneute Destillation unter Zugabe von Wacholderbeeren und anderen Aromen, erhält der Gin jedoch seinen typischen Geschmack. Ein Dry Gin ist also ein doppelt destillierter Gin.
Merkmale und Herstellung des Dry Gin
Bei der Sorte Dry Gin handelt es sich um eine, in Europa offiziell anerkannte Form des Gins. Dies wurde durch eine EU-Verordnung erstmals im Jahre 2008 festgelegt. Um als Dry Gin zu gelten müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden:
Zuerst einmal muss Dry Gin einen Mindestalkoholgehalt von 37,5% Vol. aufweisen, wobei der ursprünglich verwendete Alkohol mindestens 96% Vol. haben muss. Des Weiteren ist eine ausgeprägt Wacholder-Note unerlässlich. Abgesehen von Wacholderbeeren, können jedoch auch andere Aromen zum Einsatz kommen. Diese Zusätze werden Botanicals genannt. Dabei kann es sich um jegliche Stoffe pflanzlichen Ursprungs handeln, also um Früchte, bzw. deren Schalen, Blumen, Kräuter, Gewürze oder auch Wurzeln. Die für den Dry Gin verwendeten Botanicals müssen, laut EU-Verordnung natürlich oder zumindest naturähnlich sein. Abgesehen davon, können aber auch sogenannte naturidentische Farb- und Aromastoffe verwendet werden. Das heißt, Dry Gin muss nicht unbedingt eine klare Flüssigkeit sein.
Anders als bei einem London Dry Gin, dürfen die Botanicals zu jeglichem Zeitpunkt während der Herstellung zugefügt werden. Es ist also eine stufenweise Aromatisierung möglich. Dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Werden die Botanicals vor dem Destillationsvorgang im Rohalkohol eingelegt, so spricht man von Mazeration. Das Verfahren, den Alkohol vorsichtig zu erhitzen und den aufsteigenden Dampf durch die, in einem Korb, gelagerten Botanicals zu leiten, nennt man Dampfinfusion. Bei der Perkulation wird der Alkohol unter hohem Druck durch einen mit Botanicals gefüllten Behälter gepumpt und nimmt so deren Aromastoffe auf. Welche Methode der Aromatisierung zum Einsatz kommt, ist dabei nicht ausschlaggebend. Kenner sind sich einig, dass dies keine Auswirkungen auf den Geschmack oder die Qualität des Gins hat.
Ist die Aromatisierung abgeschlossen, darf nach der letzten Destillation nur noch Wasser hinzugefügt werden, um die entstandene Spirituose auf Trinkstärke zu reduzieren. Das heißt die Aromatisierung muss entweder vor oder während des finalen Brennvorgangs stattfinden, niemals danach. Auch ein nachträgliches Süßen darf nicht stattfinden. Daher auch der Name „Dry“: Ein trockener Gin darf insgesamt nicht mehr als 0,1 Gramm Zucker auf ein Liter Alkohol enthalten. Sloe Gin und Old Tom Gin hingegen, werden typischerweise unter Zugabe von Zucker produziert und sind deshalb keine Dry Gins.
Typischer Geschmack von Dry Gin
Die EU-Spirituosenverordnung legt fest, dass Wacholder bei Dry Gin das Hauptaroma stellen muss. Wacholder oder auch Juniper ist ein Zypressengewächs, welches immergrün als Sträucher oder Bäume wächst. Aus den bläulichen, fast schwarzen Beeren, welche genau genommen eigentlich Zapfen sind, wird das berühmte Gin-Aroma gewonnen. Der Geschmack von Wacholderbeeren ist herb, leicht bitter aber zeitgleich mit einer süßlichen Note.
Trotz dieser Festlegung der Geschmacksrichtung, haben die unterschiedlichen Dry Gins geschmacklich häufig kaum etwas miteinander zu tun. Die EU-Verordnung bezieht sich weniger auf den Geschmack als vielmehr auf die Herstellung des Gins. Durch die erlaubte Zugabe von natürlichen oder naturähnlichen Botanicals, erhalten die unterschiedlichen Produkte, trotz gleicher Herstellungsweise, deutlich anders ausgeprägte Geschmacksnoten. Besonders beliebt ist die Zugabe von Zitrusaromen. Hierfür werden beispielsweise Zitronen und Orangen, aber auch Zitronengras oder Orangenblüten verwendet. Eine andere Geschmacksrichtung wird durch die Zugabe von Gewürzen wie Kardamom oder Koriander erzielt.
Da, durch die Spirituosen-Verordnung in Europa, Dry Gins überwiegend nach Wacholder schmecken müssen, können die zugefügten Botanicals geschmacklich nicht überhandnehmen. Tritt ein anderes Aroma als Wacholder in den Vordergrund, wird dieser Gin als New Western Dry Gin bezeichnet. Da es sich bei dieser Sorte nicht um eine offiziell anerkannte Variante handelt, ist der Einsatz von Botanicals nicht reglementiert.
Wie trinkt man Dry Gin am besten?
Dry Gin eignet sich sowohl für Cocktails, in Longdrinks oder auch zum pur trinken. Besonders für die Zubereitung des weltberühmten Gin Tonic ist Dry Gin besonders beliebt. Es wird davon ausgegangen, dass der Gin Tonic von Ärzten des British Empire erfunden wurde. Im Zuge der Vorbeugung von Malaria wurde den Soldaten und Angehörigen der Britischen Kompanie in Indien empfohlen, täglich Chinin zu sich zu nehmen. Dieser Stoff kommt auf natürliche Weise in der Rinde des Chinarindenbaums vor. Jedoch ist Chinin nicht nur hilfreich gegen Malaria, sondern vor allem sehr bitter. Das originale Indian Tonic Water war also nahezu ungenießbar. Um trotzdem zum Trinken zu ermutigen wurden Wasser und Zucker und schließlich auch Gin, zu dieser Zeit bereits ein sehr beliebtes Getränk unter Briten, zugefügt. Der Gin Tonic war geboren. Heute wird dieser beliebte Longdrink häufig mit einer Limetten- oder Zitronenscheibe garniert, manchmal auch mit einer Gurke. Doch auch Rosmarinzweige werden häufiger. Diese Beilagen fügen dem Gin-Getränk zusätzliche Aromen zu.
Doch der Gin Tonic ist wohl nicht das einzige Gin-Mischgetränk, dass von Ärzten erfunden wurde. Auch der klassische Cocktail Gimlet hat eine interessante Entstehungsgeschichte: Im 19. Jahrhundert waren die Angehörigen der British Royal Navy immer der Gefahr ausgesetzt, der Krankheit Skorbut zu erliegen. Dieses Leiden wird durch einen Vitamin C-Mangel ausgelöst. Bei langen Seereisen war es schwierig immer frische Früchte, und damit eine Quelle für dieses wichtige Vitamin, vorrätig zu haben. So wurde die Mannschaft ermuntert Limettensaft zu trinken. Da dieser aufgrund des sehr sauren Geschmacks nicht unbedingt einfach zu trinken war, wurde er, genauso wie das Tonic Water, mit dem nach wie vor äußerst beliebten Gin verdünnt. Der Verantwortliche der Sanitätsabteilung hieß angeblich „Sir Thomas Gimlette“. Es gibt jedoch noch eine andere Theorie, wie die Mischung zu ihrem Namen kam: Übersetzt aus dem Englischen bedeutet Gimlet „Handbohrer“. Diesen benutzte man zum Öffnen von Holzfäßern. Eben auch für jene, in welchen die Limetten und Gin Mischung gelagert wurde. Es ist zwar ungeklärt, wie die beliebten Getränke entstanden sind, jedoch ist klar, dass es sich bei Gin um eine Spirituose mit langer Tradition handelt.
Dry Gin
Die Sorte Dry Gin stellt zusammen mit dem London bzw. London Dry Gin die wohl bekannteste Form der beliebten Spirituose dar. Bestellt man in einer Bar einen Gin, ist die...
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Dry Gin
Die Sorte Dry Gin stellt zusammen mit dem London bzw. London Dry Gin die wohl bekannteste Form der beliebten Spirituose dar. Bestellt man in einer Bar einen Gin, ist die Wahrscheinlichkeit einen Dry oder London Dry Gin eingeschenkt zu bekommen, sehr hoch. Manchmal wird diese Gin Variante auch als Distilled oder Destillierter Gin bezeichnet. Genau genommen sind jedoch alle Gins destilliert, denn so wird aus landwirtschaftlichen Produkten wie Weizen oder Kartoffeln der Basisalkohol gewonnen. Durch erneute Destillation unter Zugabe von Wacholderbeeren und anderen Aromen, erhält der Gin jedoch seinen typischen Geschmack. Ein Dry Gin ist also ein doppelt destillierter Gin.
Merkmale und Herstellung des Dry Gin
Bei der Sorte Dry Gin handelt es sich um eine, in Europa offiziell anerkannte Form des Gins. Dies wurde durch eine EU-Verordnung erstmals im Jahre 2008 festgelegt. Um als Dry Gin zu gelten müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden:
Zuerst einmal muss Dry Gin einen Mindestalkoholgehalt von 37,5% Vol. aufweisen, wobei der ursprünglich verwendete Alkohol mindestens 96% Vol. haben muss. Des Weiteren ist eine ausgeprägt Wacholder-Note unerlässlich. Abgesehen von Wacholderbeeren, können jedoch auch andere Aromen zum Einsatz kommen. Diese Zusätze werden Botanicals genannt. Dabei kann es sich um jegliche Stoffe pflanzlichen Ursprungs handeln, also um Früchte, bzw. deren Schalen, Blumen, Kräuter, Gewürze oder auch Wurzeln. Die für den Dry Gin verwendeten Botanicals müssen, laut EU-Verordnung natürlich oder zumindest naturähnlich sein. Abgesehen davon, können aber auch sogenannte naturidentische Farb- und Aromastoffe verwendet werden. Das heißt, Dry Gin muss nicht unbedingt eine klare Flüssigkeit sein.
Anders als bei einem London Dry Gin, dürfen die Botanicals zu jeglichem Zeitpunkt während der Herstellung zugefügt werden. Es ist also eine stufenweise Aromatisierung möglich. Dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Werden die Botanicals vor dem Destillationsvorgang im Rohalkohol eingelegt, so spricht man von Mazeration. Das Verfahren, den Alkohol vorsichtig zu erhitzen und den aufsteigenden Dampf durch die, in einem Korb, gelagerten Botanicals zu leiten, nennt man Dampfinfusion. Bei der Perkulation wird der Alkohol unter hohem Druck durch einen mit Botanicals gefüllten Behälter gepumpt und nimmt so deren Aromastoffe auf. Welche Methode der Aromatisierung zum Einsatz kommt, ist dabei nicht ausschlaggebend. Kenner sind sich einig, dass dies keine Auswirkungen auf den Geschmack oder die Qualität des Gins hat.
Ist die Aromatisierung abgeschlossen, darf nach der letzten Destillation nur noch Wasser hinzugefügt werden, um die entstandene Spirituose auf Trinkstärke zu reduzieren. Das heißt die Aromatisierung muss entweder vor oder während des finalen Brennvorgangs stattfinden, niemals danach. Auch ein nachträgliches Süßen darf nicht stattfinden. Daher auch der Name „Dry“: Ein trockener Gin darf insgesamt nicht mehr als 0,1 Gramm Zucker auf ein Liter Alkohol enthalten. Sloe Gin und Old Tom Gin hingegen, werden typischerweise unter Zugabe von Zucker produziert und sind deshalb keine Dry Gins.
Typischer Geschmack von Dry Gin
Die EU-Spirituosenverordnung legt fest, dass Wacholder bei Dry Gin das Hauptaroma stellen muss. Wacholder oder auch Juniper ist ein Zypressengewächs, welches immergrün als Sträucher oder Bäume wächst. Aus den bläulichen, fast schwarzen Beeren, welche genau genommen eigentlich Zapfen sind, wird das berühmte Gin-Aroma gewonnen. Der Geschmack von Wacholderbeeren ist herb, leicht bitter aber zeitgleich mit einer süßlichen Note.
Trotz dieser Festlegung der Geschmacksrichtung, haben die unterschiedlichen Dry Gins geschmacklich häufig kaum etwas miteinander zu tun. Die EU-Verordnung bezieht sich weniger auf den Geschmack als vielmehr auf die Herstellung des Gins. Durch die erlaubte Zugabe von natürlichen oder naturähnlichen Botanicals, erhalten die unterschiedlichen Produkte, trotz gleicher Herstellungsweise, deutlich anders ausgeprägte Geschmacksnoten. Besonders beliebt ist die Zugabe von Zitrusaromen. Hierfür werden beispielsweise Zitronen und Orangen, aber auch Zitronengras oder Orangenblüten verwendet. Eine andere Geschmacksrichtung wird durch die Zugabe von Gewürzen wie Kardamom oder Koriander erzielt.
Da, durch die Spirituosen-Verordnung in Europa, Dry Gins überwiegend nach Wacholder schmecken müssen, können die zugefügten Botanicals geschmacklich nicht überhandnehmen. Tritt ein anderes Aroma als Wacholder in den Vordergrund, wird dieser Gin als New Western Dry Gin bezeichnet. Da es sich bei dieser Sorte nicht um eine offiziell anerkannte Variante handelt, ist der Einsatz von Botanicals nicht reglementiert.
Wie trinkt man Dry Gin am besten?
Dry Gin eignet sich sowohl für Cocktails, in Longdrinks oder auch zum pur trinken. Besonders für die Zubereitung des weltberühmten Gin Tonic ist Dry Gin besonders beliebt. Es wird davon ausgegangen, dass der Gin Tonic von Ärzten des British Empire erfunden wurde. Im Zuge der Vorbeugung von Malaria wurde den Soldaten und Angehörigen der Britischen Kompanie in Indien empfohlen, täglich Chinin zu sich zu nehmen. Dieser Stoff kommt auf natürliche Weise in der Rinde des Chinarindenbaums vor. Jedoch ist Chinin nicht nur hilfreich gegen Malaria, sondern vor allem sehr bitter. Das originale Indian Tonic Water war also nahezu ungenießbar. Um trotzdem zum Trinken zu ermutigen wurden Wasser und Zucker und schließlich auch Gin, zu dieser Zeit bereits ein sehr beliebtes Getränk unter Briten, zugefügt. Der Gin Tonic war geboren. Heute wird dieser beliebte Longdrink häufig mit einer Limetten- oder Zitronenscheibe garniert, manchmal auch mit einer Gurke. Doch auch Rosmarinzweige werden häufiger. Diese Beilagen fügen dem Gin-Getränk zusätzliche Aromen zu.
Doch der Gin Tonic ist wohl nicht das einzige Gin-Mischgetränk, dass von Ärzten erfunden wurde. Auch der klassische Cocktail Gimlet hat eine interessante Entstehungsgeschichte: Im 19. Jahrhundert waren die Angehörigen der British Royal Navy immer der Gefahr ausgesetzt, der Krankheit Skorbut zu erliegen. Dieses Leiden wird durch einen Vitamin C-Mangel ausgelöst. Bei langen Seereisen war es schwierig immer frische Früchte, und damit eine Quelle für dieses wichtige Vitamin, vorrätig zu haben. So wurde die Mannschaft ermuntert Limettensaft zu trinken. Da dieser aufgrund des sehr sauren Geschmacks nicht unbedingt einfach zu trinken war, wurde er, genauso wie das Tonic Water, mit dem nach wie vor äußerst beliebten Gin verdünnt. Der Verantwortliche der Sanitätsabteilung hieß angeblich „Sir Thomas Gimlette“. Es gibt jedoch noch eine andere Theorie, wie die Mischung zu ihrem Namen kam: Übersetzt aus dem Englischen bedeutet Gimlet „Handbohrer“. Diesen benutzte man zum Öffnen von Holzfäßern. Eben auch für jene, in welchen die Limetten und Gin Mischung gelagert wurde. Es ist zwar ungeklärt, wie die beliebten Getränke entstanden sind, jedoch ist klar, dass es sich bei Gin um eine Spirituose mit langer Tradition handelt.