Genever
Heutzutage ist Gin als Spirituose genauso bekannt wie beispielsweise Wodka. Auch Nicht-Liebhaber haben zumindest von den bekanntesten Gins gehört. Doch woher kommt das Getränk eigentlich? Es gibt zwar mehrere Varianten der Entstehungsgeschichte, jedoch ist die wahrscheinlichste, dass der Gin, wie wir ihn heutzutage kennen, eine Weiterentwicklung des holländischen Genevers ist.
Die Entstehungsgeschichte des Genevers
Die Geschichte des Genevers, in den Niederlande auch als Jenever bezeichnet, geht weit zurück und ist deshalb nicht immer eindeutig überliefert. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass holländische Mönche bereits im 11. Jahrhundert Wacholderbeeren genutzt haben, um Alkohol zu aromatisieren. Allerdings ging es hier wohl weniger um den Geschmack, als vielmehr um die heilende Wirkung der Mischung. So soll sie gegen Bauchschmerzen und Hautkrankheiten geholfen haben.
Als im 16. Jahrhundert ein Mediziner an der Leidener Universität nach einem Mittel gegen Magen- und Nierenleiden suchte, stieß er auf diese Überlieferung. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Name Genever bzw. Jenever vom französischen Wort für Wacholder „Genièvre“ abstammt, respektive dem holländischen Wort „jeneverbes".
Nicht allzu lang nach dieser Wiederentdeckung, wird die erste Destillerie in Amsterdam gegründet: Der Genever ist nicht mehr nur Medizin, sondern wird langsam zum Nationalgetränk der Holländer.
Wie aus dem Genever Gin wurde
Durch den Holländisch-Spanischen Krieg Ende des 16. Jahrhunderts, gelangte der Genever nach England. Die Briten schickten Truppen zur Unterstützung der Niederlande und die Soldaten lernten Genever kennen. Auch bei ihnen erfreute sich die Spirituose wachsender Beliebtheit und wurde somit in die Heimat gebracht. Allerdings war das Wort Genever für die Engländer schwer auszusprechen, stattdessen wurde der Alkohol immer häufiger mit „Gin“ abgekürzt.
Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts jedoch, war der Gin nur ein Schnaps unter vielen. Noch waren französische Weine und Spirituosen in England beliebter. Bis Wilhelm III.,der gebürtiger Holländer war, ein Importverbot für französische Waren erließ: Eine Alternative musste gefunden werden. Mit dem „Distilling Act“ im Jahre 1690 wurde es allen Briten erlaubt, aus Getreide Alkohol zu brennen. Gin wurde deshalb in immer größeren Mengen produziert. Der, durch neue Zollgesetze, stark ansteigende Bierpreis führte dann schließlich dazu, dass der Großteil der Bevölkerung auf Gin umstieg. Nach und nach wurde das Herstellungsverfahren abgeändert und aus Genever wurde der Gin, wie wir ihn heute kennen. Nach wie vor gilt England als das Herstellerland des Gins. Sorten wie London Dry Gin, Plymouth Gin und Navy Strength Gin lassen die Ursprünge deutlich erkennen. Jedoch wird Gin heutzutage überall auf der Welt getrunken und produziert.
Die Herstellung von Genever
Genever wird, genauso wie Gin durch das Aromatisieren von Rohalkohol gewonnen. Für die Herstellung des Basisalkohols wird beim Genever meist Gersten oder Roggen-Maische verwendet. Das bedeutet, geschrotetes Getreide wird mit Hefe und Wasser gemischt. Aus der enthaltenen Stärke entsteht Zucker, dadurch fermentiert diese Mischung über mehrere Tage hinweg. Nach mehrmaligem Filtrieren und mehrfacher Destillation des Gemischs entsteht ein Branntwein. Getreide-Maische wird im Übrigen auch beim Bierbrauen und bei der Herstellung von Whiskey verwendet und entscheidet stark über den Geschmack des späteren Getränks.
Wie der herkömmliche Gin auch, wird für den Genever der gewonnene Rohalkohol mit Wacholder und andere pflanzliche Inhaltsstoffen aromatisiert. Diese zusätzliche Aromatisierung stammt ursprünglich von dem Versuch den unangenehmen Geschmack, des noch nicht zweifach destillierten Alkohols zu übertönen. Dabei kommen überwiegend Ingwer, Koriander und Hopfen, aber auch Anis und Kümmel zum Einsatz. Für das Beimengen der zusätzlichen Aromastoffe gibt es beim Genever keinerlei Restriktionen. Ausschlaggebend ist, dass die Spirituose immer den sogenannten „malt-wine“ enthält, welcher aus der Destillation der Getreide-Maische entsteht, nur dann handelt es sich um einen Genever. Die Verwendung von Maische führt außerdem zu einer bräunlichen Färbung des fertigen Produkts. Häufig wird Genever zudem in Kiefernholz-Fässern gelagert, was in einer stärkeren Aromatisierung resultiert und den Alkohol zusätzlich nachdunkeln lässt.
Genever kann jedoch auch eine Grundlage aus neutralem Rohalkohol und dem aus Maische gewonnen Branntwein besitzen. Je nach Mischverhältnis und Aromatisierung entstehen so unterschiedliche Geneversorten. Beispielsweise hat ein Oude (alter) Genever mindestens 15% Branntwein und wird mit Wacholder und Koriander aromatisiert. Ein Jonge (junger) Genever hingegen besteht zu maximal 15% aus Branntwein und ist weniger süß.
Durch den ausgeprägten Geschmack und das Getreide-Aroma eignet sich Genever, ganz im Gegensatz zu Gin, kaum zum Mischen von Cocktails oder Longdrinks. Die Spirituose wird am besten pur und eiskalt getrunken. In Holland und Belgien, den Ländern mit den meisten Genever-Destillerien, gibt es hierfür spezielle kleine, tulpenförmige Gläser mit Stiel. Es gibt jedoch auch Genever Liköre, bei welchen die Spirituose als Grundlage verwendet wird. So ist der Fladderak beispielsweise ein Genever der mit Zucker, Zimt und anderen Gewürzen aufgesetzt wird.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Gin und Genever
Bei Gin handelt es sich im Allgemeinen um Rohalkohol aus Getreide oder Kartoffeln bzw. anderen landwirtschaftliche Erzeugnissen wie Trauben oder Äpfeln. Wie bereits oben beschrieben, wird für Genever der Grundalkohol aus Getreide-Maische gewonnen. Die Grundlage der beiden Spirituosen unterscheidet sich also deutlich, was starken Einfluss auf den Geschmack hat. Während der beim Gin verwendete Alkohol kaum Eigengeschmack hat, liegt dem Genever ein deutlich malziges Getreide-Aroma zugrunde. Der Rohalkohol weist zudem eine bräunliche Färbung auf, ähnlich der von Whiskey oder Cognac. Diese wird teilweise noch durch die Lagerung in Fässern intensiviert. Fertiger Gin ist in den meisten Fällen eine klare Flüssigkeit. Zwar gibt es Ausnahmen wie Sloe Gin und bei vielen Sorten können Farbstoffe beigemengt werden, jedoch handelt es sich bei gefärbtem Gin eher um die Ausnahme.
Gemein ist beiden Spirituosen, dass Wacholder zur Aromatisierung eingesetzt wird. Dieser bildet bei Gin den überwiegenden Anteil. Durch den Zusatz von pflanzlichen Stoffen wie Früchten, Fruchtschalen, Wurzeln, Kräutern oder auch Blumen, werden die Alkohole zusätzlich aromatisiert. Diese beigemengten Inhaltsstoffe werden als Botanicals bezeichnet. Der bei den meisten Ginsorten so beliebte Zitrus-Beigeschmack, kommt beim Genever selten zum Einsatz, hier wird eher auf würzige Aromen gesetzt. Für die Beimischung dieser Botanicals gibt es bei Genever keinerlei Restriktionen, während die Ginsorten Dry Gin, London Gin und Sloe Gin diesbezüglich durch eine EU-Verordnung ganz genau reglementiert sind. Laut Europäischer Union muss das fertige Produkt zudem einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 % Vol. aufweisen. Für Genever hingegen sind 30% Vol. ausreichend. Da jedoch auch dies nicht offiziell geregelt ist, gibt es durchaus auch einige Produkte mit weniger Alkohol.
Genever
Heutzutage ist Gin als Spirituose genauso bekannt wie beispielsweise Wodka. Auch Nicht-Liebhaber haben zumindest von den bekanntesten Gins gehört. Doch woher kommt das Getränk...
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Genever
Heutzutage ist Gin als Spirituose genauso bekannt wie beispielsweise Wodka. Auch Nicht-Liebhaber haben zumindest von den bekanntesten Gins gehört. Doch woher kommt das Getränk eigentlich? Es gibt zwar mehrere Varianten der Entstehungsgeschichte, jedoch ist die wahrscheinlichste, dass der Gin, wie wir ihn heutzutage kennen, eine Weiterentwicklung des holländischen Genevers ist.
Die Entstehungsgeschichte des Genevers
Die Geschichte des Genevers, in den Niederlande auch als Jenever bezeichnet, geht weit zurück und ist deshalb nicht immer eindeutig überliefert. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass holländische Mönche bereits im 11. Jahrhundert Wacholderbeeren genutzt haben, um Alkohol zu aromatisieren. Allerdings ging es hier wohl weniger um den Geschmack, als vielmehr um die heilende Wirkung der Mischung. So soll sie gegen Bauchschmerzen und Hautkrankheiten geholfen haben.
Als im 16. Jahrhundert ein Mediziner an der Leidener Universität nach einem Mittel gegen Magen- und Nierenleiden suchte, stieß er auf diese Überlieferung. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Name Genever bzw. Jenever vom französischen Wort für Wacholder „Genièvre“ abstammt, respektive dem holländischen Wort „jeneverbes".
Nicht allzu lang nach dieser Wiederentdeckung, wird die erste Destillerie in Amsterdam gegründet: Der Genever ist nicht mehr nur Medizin, sondern wird langsam zum Nationalgetränk der Holländer.
Wie aus dem Genever Gin wurde
Durch den Holländisch-Spanischen Krieg Ende des 16. Jahrhunderts, gelangte der Genever nach England. Die Briten schickten Truppen zur Unterstützung der Niederlande und die Soldaten lernten Genever kennen. Auch bei ihnen erfreute sich die Spirituose wachsender Beliebtheit und wurde somit in die Heimat gebracht. Allerdings war das Wort Genever für die Engländer schwer auszusprechen, stattdessen wurde der Alkohol immer häufiger mit „Gin“ abgekürzt.
Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts jedoch, war der Gin nur ein Schnaps unter vielen. Noch waren französische Weine und Spirituosen in England beliebter. Bis Wilhelm III.,der gebürtiger Holländer war, ein Importverbot für französische Waren erließ: Eine Alternative musste gefunden werden. Mit dem „Distilling Act“ im Jahre 1690 wurde es allen Briten erlaubt, aus Getreide Alkohol zu brennen. Gin wurde deshalb in immer größeren Mengen produziert. Der, durch neue Zollgesetze, stark ansteigende Bierpreis führte dann schließlich dazu, dass der Großteil der Bevölkerung auf Gin umstieg. Nach und nach wurde das Herstellungsverfahren abgeändert und aus Genever wurde der Gin, wie wir ihn heute kennen. Nach wie vor gilt England als das Herstellerland des Gins. Sorten wie London Dry Gin, Plymouth Gin und Navy Strength Gin lassen die Ursprünge deutlich erkennen. Jedoch wird Gin heutzutage überall auf der Welt getrunken und produziert.
Die Herstellung von Genever
Genever wird, genauso wie Gin durch das Aromatisieren von Rohalkohol gewonnen. Für die Herstellung des Basisalkohols wird beim Genever meist Gersten oder Roggen-Maische verwendet. Das bedeutet, geschrotetes Getreide wird mit Hefe und Wasser gemischt. Aus der enthaltenen Stärke entsteht Zucker, dadurch fermentiert diese Mischung über mehrere Tage hinweg. Nach mehrmaligem Filtrieren und mehrfacher Destillation des Gemischs entsteht ein Branntwein. Getreide-Maische wird im Übrigen auch beim Bierbrauen und bei der Herstellung von Whiskey verwendet und entscheidet stark über den Geschmack des späteren Getränks.
Wie der herkömmliche Gin auch, wird für den Genever der gewonnene Rohalkohol mit Wacholder und andere pflanzliche Inhaltsstoffen aromatisiert. Diese zusätzliche Aromatisierung stammt ursprünglich von dem Versuch den unangenehmen Geschmack, des noch nicht zweifach destillierten Alkohols zu übertönen. Dabei kommen überwiegend Ingwer, Koriander und Hopfen, aber auch Anis und Kümmel zum Einsatz. Für das Beimengen der zusätzlichen Aromastoffe gibt es beim Genever keinerlei Restriktionen. Ausschlaggebend ist, dass die Spirituose immer den sogenannten „malt-wine“ enthält, welcher aus der Destillation der Getreide-Maische entsteht, nur dann handelt es sich um einen Genever. Die Verwendung von Maische führt außerdem zu einer bräunlichen Färbung des fertigen Produkts. Häufig wird Genever zudem in Kiefernholz-Fässern gelagert, was in einer stärkeren Aromatisierung resultiert und den Alkohol zusätzlich nachdunkeln lässt.
Genever kann jedoch auch eine Grundlage aus neutralem Rohalkohol und dem aus Maische gewonnen Branntwein besitzen. Je nach Mischverhältnis und Aromatisierung entstehen so unterschiedliche Geneversorten. Beispielsweise hat ein Oude (alter) Genever mindestens 15% Branntwein und wird mit Wacholder und Koriander aromatisiert. Ein Jonge (junger) Genever hingegen besteht zu maximal 15% aus Branntwein und ist weniger süß.
Durch den ausgeprägten Geschmack und das Getreide-Aroma eignet sich Genever, ganz im Gegensatz zu Gin, kaum zum Mischen von Cocktails oder Longdrinks. Die Spirituose wird am besten pur und eiskalt getrunken. In Holland und Belgien, den Ländern mit den meisten Genever-Destillerien, gibt es hierfür spezielle kleine, tulpenförmige Gläser mit Stiel. Es gibt jedoch auch Genever Liköre, bei welchen die Spirituose als Grundlage verwendet wird. So ist der Fladderak beispielsweise ein Genever der mit Zucker, Zimt und anderen Gewürzen aufgesetzt wird.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Gin und Genever
Bei Gin handelt es sich im Allgemeinen um Rohalkohol aus Getreide oder Kartoffeln bzw. anderen landwirtschaftliche Erzeugnissen wie Trauben oder Äpfeln. Wie bereits oben beschrieben, wird für Genever der Grundalkohol aus Getreide-Maische gewonnen. Die Grundlage der beiden Spirituosen unterscheidet sich also deutlich, was starken Einfluss auf den Geschmack hat. Während der beim Gin verwendete Alkohol kaum Eigengeschmack hat, liegt dem Genever ein deutlich malziges Getreide-Aroma zugrunde. Der Rohalkohol weist zudem eine bräunliche Färbung auf, ähnlich der von Whiskey oder Cognac. Diese wird teilweise noch durch die Lagerung in Fässern intensiviert. Fertiger Gin ist in den meisten Fällen eine klare Flüssigkeit. Zwar gibt es Ausnahmen wie Sloe Gin und bei vielen Sorten können Farbstoffe beigemengt werden, jedoch handelt es sich bei gefärbtem Gin eher um die Ausnahme.
Gemein ist beiden Spirituosen, dass Wacholder zur Aromatisierung eingesetzt wird. Dieser bildet bei Gin den überwiegenden Anteil. Durch den Zusatz von pflanzlichen Stoffen wie Früchten, Fruchtschalen, Wurzeln, Kräutern oder auch Blumen, werden die Alkohole zusätzlich aromatisiert. Diese beigemengten Inhaltsstoffe werden als Botanicals bezeichnet. Der bei den meisten Ginsorten so beliebte Zitrus-Beigeschmack, kommt beim Genever selten zum Einsatz, hier wird eher auf würzige Aromen gesetzt. Für die Beimischung dieser Botanicals gibt es bei Genever keinerlei Restriktionen, während die Ginsorten Dry Gin, London Gin und Sloe Gin diesbezüglich durch eine EU-Verordnung ganz genau reglementiert sind. Laut Europäischer Union muss das fertige Produkt zudem einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 % Vol. aufweisen. Für Genever hingegen sind 30% Vol. ausreichend. Da jedoch auch dies nicht offiziell geregelt ist, gibt es durchaus auch einige Produkte mit weniger Alkohol.